ALAIN-GESAMTWERK

In drei Konzerten während des Festivals wird das Gesamtwerk des französischen Organisten und Komponisten Jehan Alain (1911-1940) , dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird, sowie einige Werke seiner Familienmitglieder an ausgewählten Orgeln in Köln von verschiedenen Interpreten präsentiert.

Jedes Konzert beinhaltet auch eine Einführung in das jeweilige Programm, in der Regel durch die ausführenden Organistinnen und Organisten.


Eintritt: jeweils 5,- € (inkl. Programmbuch zum Festival)
Karten nur an der Tageskasse






DIE VERANSTALTUNGEN

FREITAG, 30.09.2011 20.00 Uhr, St. Aposteln (Fischer & Krämer 1996, 76 Register, 4 Manuale) · Alain-Gesamtwerk 1 · Marc Jaquet, Orgel

 

FREITAG, 07.10.2011 20.00 Uhr, St. Gereon (...) · Werke der Familie Alain · Iris Rieg, Orgel · Albrecht Bode, Oboe

 

FREITAG, 14.10.2011 20.00 Uhr, St. Aposteln (Fischer & Krämer 1996, 76 Register, 4 Manuale) · Das komplette Orgelwerk von Jehan Alain / Teil 3 · Helga Schauerte-Maubouet (Paris), Orgel

 

SAMSTAG, 15.10.2011 9.30-16.30 Uhr, St. Aposteln · Seminar und Praxisworkshop »Jean Alain - Leben und Werk« · Referentin: Helga Schauerte, Paris

 

Jehan Alain

Jehan Alain entstammte einer in Saint-Germaine-en-Laye (bei Paris) ansässigen Musikerfamilie. Seine etwa zehnjährige Kompositionstätigkeit deckt sich zeitlich mit seinen Studienjahren am Pariser Konservatorium (1929-1939), für dessen straff reglementierten Betrieb er wenig empfänglich war. Er erhielt erste Preise in Harmonielehre bei André Bloch (1933), in Kontrapunkt und Fuge bei Georges Caussade (1933) sowie in Orgel bei Marcel Dupré (1939). Die Kompositionsklasse (Paul Dukas 1934/35, Jean Roger-Ducasse 1936/36) verließ er ohne Abschluss, als 1936 seine „Suite“ mit dem Kompositionspreis der Gesellschaft Les Amis de l‘orgue ausgezeichnet wurde.
Den Ausdruck, den er einmal als „die einzige Form des Glücks“ („la seule form du bonheur“) bezeichnet hat, suchte er nicht allein in der Musik, sondern auch im Zeichnen und in der Poesie. Den Werken seiner frühen Schaffensperiode (1929-1934) ist oftmals eine poetische Idee vorangestellt. Neben Einflüssen literarischer Art zeigen sich solch der Gregorianik, der Alten Musik, des Impressionismus, des Jazz sowie außereuropäischer Rhythmen und Tonsysteme. In seiner auf die Hausorgel des Vaters zurückweisenden, nahezu kammermusikalischen Behandlung des Instruments zeigt sich eine stilistische Abkehr vom romantisch-orchestralen Orgeltyp bzw. die Hinwendung zu einem Klangideal, das Elemente der französischen Klassik und Romantik in neuartiger Synthese vereinigt. Innovativ wirkte Alain in der Behandlung der Aliquotregister, die er nicht nur als Farbwerte, sondern durch solistische Verwendung ohne Grundtoregister als satztechnisches Mittel verwendete. (...) Mit dem Abschluss seines Militärdienstes in Nancy und dem beginnenden Orgelstudium in der Klasse von Marcel Dupré begann ab Herbst 1934 eine Zeit, in der sich Alains Personalstil festigte. Im April 1935 heiratete er seine Jugendfreundin Madeleine Payan; aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Um den Lebensunterhalt der Familie zu verdienen, unterrichtete er an der Schule Saint-Erembert und versah den Organistendienst an Saint-Nicolas in Maisons-Laffitte sowie an der Pariser Synagoge in der Rue Notre-Dame-de-Nazareth. Ständig unter Zeitdruck schrieb er einen großen Teil seiner Kompositionen während des Unterrichts im Konservatorium, im Zug oder in den Ferien, die seine Familie stets in den Alpen verbrachte. Das Jahr 1937 markiert mit dem Tod seiner Schwester Marie-Odile, die bei einer Bergbesteigung verunglückte, einen tiefen Einschnitt in die psychische Befindlichkeit des Komponisten. Jehan Alain fiel am 20. Juni 1940 - wenige Stunden vor dem Waffenstillstand - bei der Verteidigung der Stadt Saumur.

Helga Schauerte
aus Faber/Hartmann (Hg.): Handbuch Orgelmusik. Kassel: Bärenreiter-Verlag 2002.




Gefördert vom Netzwerk Neue Musik  



FREITAG, 30.09.2011