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KSTA 08.11.07

Jedes Stück eine kleine Kostbarkeit

Der Kammerchor "Collegium Cantorum Köln" bot hinreißend vitale Vespermusik von Claudio Monteverdi in der Kirche St. Dionysius – Bild: Rakoczy [KStA]




 

Der Kammerchor Collegium Cantorum Köln begeisterte mit vitaler religiöser Festmusik von Claudio Monteverdi.

VON MARIANNE KIERSPEL

Innenstadt/Longerich -
Zu den Sensationen im Kölner Musikleben gehörte 1993 die Neuentdeckung von Claudio Monteverdi (1567-1643) – 350 Jahre nach dem Tod des italienischen Komponisten. Peter Neumann leitete damals die "Marienvesper" und die Oper "L'Orfeo", das Opernhaus gab die "Heimkehr des Odysseus" und "Die Krönung der Poppäa". Seitdem ist der "göttliche Claudio", wie ihn Zeitgenosse Heinrich Schütz genannt hatte, wieder eine bekannte Größe, auch in Köln. Von ihm präsentierte jetzt der prächtige Kammerchor "Collegium Cantorum Köln" eine hinreißend vitale Vespermusik in der Kirche der Ursulinen und in St. Dionysius.

Da mochte man fast bedauern, dass der Vesperbesuch nicht mehr zu den Christenpflichten gehört, so strahlend klangen die Chor- und Solosätze. Die findigen Musiker haben eine Vesper für ein Apostelfest aus verschiedenen Schaffensphasen kombiniert, vor allem aus "Selva morale e spirituale" (1641). die knapp anderthalbstündige Vesper ist, ähnlich wie die "Marienvesper" (1610), in dieser Form zu Monteverdis Zeiten wohl nicht erklungen. Sie zeigte aber seine souveräne Beherrschung verschiedener Satztypen, die Joachim Risch in seinem lesenwerten Begleittext erläuterte. Der ausgewogene, bewegliche Chor bestach mit Leuchtkraft und bot für gregorianische Anteile eine perfekte Schola auf. Lebhaft begleiteten Geigen, Theorbe und Orgel (Paula Kiblidis, Gabriele Nussberger, Yamato Hasumi, Sonja Chemnitzer), Lothar Blum steuerte virtuose Tenorsoli bei.

Jedes Stück war eine Kostbarkeit. Die Musiker präsentieren aber nichts wie im Museum quasi hinter Glas, vielmehr klang alles ganz präsent, wie frisch komponiert. Der Leiter Thomas Gebhardt sicherte jedem Stück sein Eigenleben, der ruhigen Antiphon, der kraftvollen Motette, dem damals noch neuen Spiel lebhafter Stimmen. Ein Höhepunkt war Marias Lobgesang (Magnificat primo aus "Selva"). Anschaulich schildert Monteverdi hier Gottes mächtigen Arm, der Große vom Thron stürzt und Arme erhebt.

Gebhardt forderte die Kräfte der Musiker bis an ihre Grenzen. Er ist übrigens nicht mehr Kirchenmusiker in Longerich, er unterrichtet jetzt Musik am Ursulinengymnasium. Daher die beiden Spielstätten. Die Longericher aber schätzen ihn nach wie vor. Die Kirche St. Dionysius war gut besucht, auch hat ihre Akustik die Zeitreise in Monteverdis Musik bestens unterstützt. Großer, anhaltender Beifall.

Kölner Stadt-Anzeiger, 8. November 2007




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