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KÖLNISCHE RUNDSCHAU, 15.04.2003 |
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Loch in die Mauer des Todes geschlagen
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Barocke Rarität: In der Kirche St. Andreas war Buxtehudes »Membra Jesu« zu hören von Johannes Schwermer
Es muss schon etwas besonderes mit dem Barock-Komponisten, Organisten und Werkmeister Dietrich Buxtehude gewesen sein, wenn Johann Sebastian Bach eine insgesamt 800 km lange Reise von Leipzig nach Lübeck und zurück übernahm, um diese Musik zu hören. Dabei sind Buxtehudes Biografie und ein Großteil seiner Werke im Dunkel der Vergangenheit versunken. Groß ist deshalb das Verdienst, dass man eine seiner vokalen Hauptkompositionen, die sieben Passionskantaten »Membra Jesu« (Die allerheiligsten Gliedmaßen unseres den Tod erleidenden Jesu), in der voll besetzten Kirche St. Andreas, einem Juwel rheinischer Romanik, hören konnte. Die Besetzung mit 24 Sängern und sieben Instrumentalisten Collegium Cantorum Köln und Polygon Barockensemble unter Leitung von Thomas Gebhardt) entsprach der norddeutschen Kantorei-Tradition. Die schwärmerisch-mystischen mittelalterlichen Texte gewannen größere Nähe für den Zuhörer in der Umgebung von hochmittelalterlichen Wandmalereien und der Krypta-Gruft von Albertus Magnus, der vor 723 Jahren starb. Die Musik ergreift durch ihre besinnliche Sinnlichkeit, zuweilen sogar mit einem Hauch südländischer Wohlklänge. Sie bricht - nach einem Symbolbild des Propheten Ezechiel - ein Loch durch die Mauer des Todes in einer Zeit, die von Krieg, Pest Raub und Feuer durchzogen war. In der meist getragenen, schwebenden Interpretation mit Chören, Terzetten und unpolierten Chor-Solostimmen gehörten Sinn und Klang zusammen, Leiden und Leidenschaft waren verinnerlicht, die Kunst der leisen Nuancen und Akzente eingebettet in ein historisches Instrumentalkolorit mit historischer Spielweise und einem barocken Vokalstil. Mit diesen meditativen Hörbildern kam man der Welt abhanden. Dominikanerpater David M. Kammler rezitierte dazu Texte von Felix Schlösser.
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2003 | Bergische Morgenpost, 15.04.2003
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